Arbeitsbeschaffung
für Stasi-Jäger
Nachdem die ZDF-Nachrichtensendung „heute“ am 08.07.09, 19.00 Uhr es als „unglaublich“
bezeichnet hatte, dass das Bundeskriminalamt 48 ehemalige „Stasi-Mitarbeiter“
beschäftigt habe, von denen noch 23 aktiv tätig seien, wurde die ARD-Tagesschau
vom gleichen Tag um 20:00 Uhr etwas konkreter. Es handele sich um
Personenschützer, die übernommen worden seien. Einer würde sogar im Personenschutzkommando
von Kanzlerin Angela Merkel seinen Dienst ausüben.
Siehe da, könnte man sagen, wenn es um das Leben unserer Promis geht,
wissen sie offenbar, wem sie Vertrauen schenken können. Schließlich wurde auch
Helmut Kohl bei seinen Besuchen in der DDR von Personenschützern des MfS
umsichtig und zuverlässig geschützt.
Offenbar handelt es sich aber um eine Kampagne, die mit Enthüllungen der
Springer-Presse über „Stasi-Mitarbeiter“ in der Brandenburger Polizei begann, die
von der Sendung „Monitor“ aufgegriffen wurde und am 09.07.2009 in praktisch
allen meinungsbildenden Medien zu der empörten Feststellung eskalierte, dass
Tausende „Ex-Stasi-Spitzel“ (angeblich bis zu 17.000) im öffentlichen Dienst
der Bundesrepublik beschäftigt seien.
Die Zahlen sind schon deshalb mit Vorsicht zu genießen, da auch Personen,
die im Auftrag des MfS zu Diplom-Kriminalisten ausgebildet und niemals im MfS
tätig wurden oder IM, die als solche nie eingesetzt waren, locker
hinzugerechnet werden. Ob Sachsens Ministerpräsident Tillich,
der zwei offizielle Gespräche mit MfS-Mitarbeitern zugegeben haben soll, unter
den 17.000 eingerechnet ist, bleibt offen.
Das Ganze mündet in der Forderung nach einer erneuten „Stasi-Überprüfung“
des öffentlichen Dienstes, wobei allerdings unklar bleibt, auf welchen
rechtlichen Grundlagen mit welchem Ziel sie zu erfolgen habe. Viele der
angegriffenen Personen sind verbeamtet und haben wie Brandenburgs Innenminister
Schönbohm feststellte, nicht nur die gleichen Pflichten sondern auch die
gleichen Rechte wie Beamte. Auch Ex-Bürgerrechtler Erhart Neubert erklärte dem „Spiegel“,
dass heute manches nicht mehr zu reparieren sei.
Immerhin sollten meines Erachtens 20 Jahre im Dienst der Bundesrepublik
Deutschland ausreichen, um beurteilen zu können, ob jemand seine Aufgabe
korrekt und effizient ausführt. Viele der Angegriffenen haben länger für die
BRD gearbeitet als für die DDR, in der sie vor allem eine ordentliche
Ausbildung erhalten hatten. Die Ausbildung zum Diplom-Kriminalisten kennt die
BRD z.B. nicht und hat sie bei einer gegenüber der DDR etwa 10-fach höheren
Kriminalitätsrate scheinbar auch nicht nötig.
Zweifellos handelt es sich bei dieser Kampagne um eine
Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die krisenfeste Stasi-Industrie, die etwa
10.000 gut bezahlte Arbeitsplätze sichert und mit der Pflege des Feindbildes „Stasi“
unbeirrt daran festhält, die befohlene Gehirnwäsche für ehemalige DDR-Bürger
doch noch zum gewünschten Ergebnis zu führen. Das dabei Methoden und Ergebnis
der stupiden SED-Propaganda der letzten Jahre der DDR immer ähnlicher werden,
ficht niemanden an.
Ansonsten sei daran erinnert, dass die absolute Mehrheit der ehemaligen haupt-
und ehrenamtlichen Angehörigen des MfS auch im 20. Jahr des Anschlusses der DDR
an die BRD ausgegrenzt und diskriminiert ist. Sie hatte weder die Ehre als
Müllfahrer, Gärtner in städtischen Parkanlagen, als Eisenbahner oder Postbote
tätig zu sein, noch eine Stimme in den Medien, um sich anhaltender
Verleumdungen zu erwehren. Das passive Wahlrecht ist ehemaligen MfS-Angehörigen
de facto aberkannt und ihre durch Beitragszahlung erworbenen Rentenansprüche wurden
und werden drastisch gekürzt. Sie stehen damit außerhalb des Grundgesetzes, was
aber offenbar niemand als Skandal empfindet.
Wolfgang Schmidt
09.07.2009