Auszüge aus der Trauerrede für unseren Genossen und Freund
Generalmajor a. D., Prof.
Dr. sc. jur. Willi Opitz
Gehalten von
Kurt Andrä, am 11.04.2011 auf dem Neuen Friedhof,
Potsdam
Gestattet mir, dem Nachruf für meinen guten Freund
und treuen
Kampfgefährten, Genossen Willi Opitz, ein
persönliches Wort voranzustellen:
Im Frühjahr 2005 waren wir beide in Prag, um mit
dem ehemaligen und letzten
Generalsekretär der KPC, Milos Jakes, ein
Interview für „Die Rote Fahne“ zu
führen.
Bei dieser Reise gab es viele – auch ganz
persönliche Gespräche zwischen
Willi und mir – über das Leben und auch über das
Sterben.
Dabei gaben wir uns das Versprechen: Wenn einmal
die Stunde des Abschieds
kommt, werden wir uns gegenseitig die Trauerrede
halten. Das versprachen wir
uns in die Hand.
Damals konnte ich nicht ahnen, wie schwer es mir
heute ums Herz ist, dieses
Versprechen einzulösen.
Mit Willi Opitz verlieren wir eine geachtete
Persönlichkeit, einen
Antifaschisten, einen Kommunisten und
Internationalisten, der aus tiefster
Überzeugung sein Leben in den Dienst der hohen und
edlen Ziele der
Arbeiterklasse und aller Werktätigen, in den
Dienst für Sozialismus und
Frieden stellte.
Er wollte, daß die
Menschen in sozialer Sicherheit, in Geborgenheit und
Würde leben und arbeiten können.
Diesen Idealen fühlte er sich bis zuletzt
verpflichtet.
Willi’s Lebensweg war der eines Arbeitersohnes, wie ihn viele
seiner
Generation gegangen sind, deren Herz links schlug,
die sich gegen
Ausbeutung, Unterdrückung und Krieg, für ein
menschenwürdiges Leben
organisierten, Belastungen auf sich nahmen und
sich dabei selbst niemals
schonten.
Am 25. Juli 1928 wurde Willi Opitz in Goddula-Vesta, einem Ortsteil von Bad
Dürrenberg, als Sohn einer Arbeiterfamilie
geboren.
In den Jahren 1943 bis 1947 absolvierte er eine
Lehre als
Verwaltungsangestellter, die durch die Einberufung
zum faschistischen
Kriegsdienst und seine Kriegsgefangenschaft unterbrochen
wurde.
Ein wichtiger Schritt in seinem Leben war für den
damals 17-Jährigen im Februar
1946 der Beitritt zur Kommunistischen
Partei Deutschlands und nach der
Vereinigung von KPD und SPD wurde er
Mitglied der Sozialistischen
Einheitspartei Deutschlands.
Ausgerüstet mit der soliden Erziehung seiner
allein erziehenden Mutter und
den Erfahrungen seines proletarischen
Elternhauses,
sowie seinen eigenen Überzeugungen wurde er 1948
als Freiwilliger,
Angehöriger der Deutschen Volkspolizei und begann
seine Tätigkeit als
Wachtmeister.
Am 7. Oktober 1949 war Willi Opitz Teilnehmer des
historischen Fackelzugs
der jungen Generation, die in Berlin die Geburt
der Deutschen Demokratischen
Republik begrüßte.
Seinen Lebensidealen treu bleibend, erfüllte
Genosse Opitz in allen seinen
späteren Dienststellungen die an ihn gerichteten
Aufgaben.
Er stellte sich in der Deutschen
Demokratischen Republik mit seiner ganzen
Person und seinen Lebenserfahrungen immer in den
Dienst der Partei der
Arbeiterklasse.
Nachdem am 8. Februar 1950 das Ministerium für
Staatssicherheit gebildet
wurde, übte er hier auf verschiedensten
Arbeitsgebieten verantwortungsvolle
leitende Funktionen aus.
Eine wichtige Etappe seiner Tätigkeit im
Ministerium - darauf kam Willi
immer wieder mit Stolz zu sprechen - war
seine Dienstzeit als Leiter
einer Kreisdienststelle im Bereich der Objektverwaltung
der Wismut in
Karl-Marx-Stadt und Aue.
In diese Zeit fällt auch seine Wahl in wichtige
Parteifunktionen, in denen
er sich großes Vertrauen der Genossen erwarb.
Auch nach der Konterrevolution war er
noch mit diesen Genossen eng verbunden
und unterhielt ständige Kontakte zu ihnen.
Kampfgefährten, auch aus dieser Zeit sind heute
hier, um Abschied zu nehmen.
Willis Lebenslauf, sein Lebenswerk sind untrennbar
mit dem hohen Stellenwert
verbunden, denen er seiner eigenen Aus- und
Weiterbildung, wie auch den
Angehörigen des Ministeriums beimaß.
Die Ausbildung und Erziehung mehrerer Generationen
junger Mitarbeiter sind
mit seinem Namen, mit seinem Wirken als
Hochschullehrer, verbunden.
Arbeit und Qualifikation wurden von Willi Opitz
immer als Einheit
betrachtet.
So absolvierte er neben der Erfüllung seiner
Arbeitsaufgaben und der
Ausübung gesellschaftlicher Funktionen – ein
Fernstudium an der Deutschen
Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft in
Potsdam-Babelsberg und schloß
dieses Studium mit dem Juristischen Staatsexamen
ab.
Darauf folgte ein Fernstudium der
Rechtswissenschaft an der
Humboldt-Universität zu Berlin mit dem Abschluß zum Diplomjuristen.
Viele Jahre arbeitete Willi Opitz im
Ministerbereich u. a. in der Zentralen
Anleitung und Kontrolle, wo er sich ein hohes
Wissen und einen großen
Erfahrungsschatz aneignete und konstruktiv
weitergab.
1985 wurde er zum Rektor der Juristischen
Hochschule des Ministeriums für
Staatssicherheit in Potsdam ernannt.
Dort hatte er bereits 1976 zum Dr. der Jurisprudenz
promoviert.
1985 wurde er zum Ordentlichen Professor berufen
und habilitierte mit seiner
Promotion B zum Dr. sc. juris.
Als Hochschullehrer und Rektor vermittelte er den
Absolventen dieser
Einrichtung die erforderlichen Grundlagen für eine
verantwortungsvolle
Arbeit im Ministerium für Staatssicherheit.
Nicht erst als Rektor der Hochschule hatte sich
Genosse Opitz hohes Ansehen
und Autorität erworben.
Wegen seiner Lebens- und Kampferfahrungen, seiner Treue zum
Marxismus-Leninismus, seiner Prinzipienfestigkeit
und Parteilichkeit, seinem
Pflicht- und Verantwortungsbewußtseins
– kurz: wegen seiner Arbeitsmoral und
seiner hohen Disziplin.
In der gesamten Zeit seiner Tätigkeit im
Ministerium für Staatssicherheit
stand Genosse Willi Opitz getreu seiner
persönlichen Verpflichtung und des
Fahneneides an vorderster Front im Kampf gegen die
Feinde unseres Arbeiter-
und Bauernstaates.
Mit Entschiedenheit kämpfte er in Wort und Schrift
gegen die Delegitimierung
der DDR.
In seiner Arbeit handelte Willi immer nach der
Maxime Feliks Edmundowitsch
Dzierzynskis:
“Tschekist sein kann nur ein Mensch mit kühlem Kopf, heißem Herzen
und sauberen Händen. Er muß klar wie ein Kristall sein!“
Für seinen Einsatz zur Sicherheit der Deutschen
Demokratischen Republik und
der im Warschauer Vertrag zusammengeschlossenen
sozialistischen Staaten
wurde Willi Opitz mit hohen staatlichen und
gesellschaftlichen
Auszeichnungen geehrt.
So, mit
dem Vaterländischen Verdienstorden in Gold
und dem Kampforden für Verdienste um Volk und Vaterland
in Gold
mit dem sowjetischen Andropow-Orden
für Verdienste und seinen persönlichen
Beitrag zur Gewährleistung der internationalen
Sicherheit
und mit vielen anderen Orden und Ehrenzeichen.
Werte Familie, liebe Freunde und Genossen,
Solidarität mit seinen Freunden und Mitkämpfern in
jeder Lebenslage war für
unseren Willi kein leeres Wort, sondern praktiziertes
Handeln aus tiefster
innerer kommunistischer Moral und Überzeugung.
Und das galt erst recht nach 1989 zu den durch die
Klassenjustiz der BRD
Verurteilten, Verfolgten und Diskriminierten aus
der DDR.
In seinem Vorwort zu meinem Buch
„In Solidarität verbunden“ schreibt
Willi: „Was die Siegerjustiz
angerichtet hat, darf nicht vergessen werden!
Unsere anhaltende Solidarität gilt den
Betroffenen!
Ihre Rehabilitierung wegen erlittenen Unrechts ist
unser Ziel!“
Willi gehörte zu den Mitbegründern der
Gesellschaft zur Rechtlichen und
Humanitären Unterstützung (GRH e. V).
Er wirkte in den Reihen von ISOR aktiv für die
Beseitigung des
Rentenunrechts und besonders des noch immer
anhaltenden Rentenstrafrechts
gegen die Angehörigen des Ministeriums für
Staatssicherheit.
Willi war aktives Mitglied des „Golmer Kreises“, in dem sich Genossinnen und
Genossen, Mitstreiter aus verschiedensten
Bereichen der DDR in Freundschaft
und Solidarität regelmäßig zusammenfanden.
Willi’s praktizierte Solidarität kann nicht treffender zum
Ausdruck gebracht
werden, als es Margot in ihrem Telegramm aus
Santiago de Chile zum Ausdruck
brachte.
Sie schrieb: “Es macht traurig, unsere Reihen
lichten sich. Mein herzliches
Beileid den Genossen und der Familie. Margot“
Mit Willi Opitz verlieren wir einen
aktiven Publizisten und überzeugten
Agitator.
In seiner Öffentlichkeitsarbeit, in Artikeln und
Reden bekannte er sich nach
dem sogenannten Anschluß
der DDR an die BRD mit Stolz zu seinem Friedenstaat
DDR.
In unzähligen Beiträgen in Broschüren und in
Leserbriefen, in Interviews,
und anderen Publikationen hat sich Willi engagiert
mit dem vorherrschenden
antikommunistischen Zeitgeist auseinander gesetzt
und sich ihm entgegen
gestellt.
Mein besonderer Dank gilt Dir lieber Willi, für
Deine fruchtbare und
konstruktive Zusammenarbeit bei der inhaltlichen
Gestaltung unserer
gemeinsamen Web-Seite „Kommunistische Standpunkte“
im Internet.
Bleibende Verdienste hat sich unser Willi
besonders durch seine
publizistische Arbeit zur Verbreitung der
historischen Wahrheit über das
Ministerium für Staatssicherheit sowie gegen die
Lügen und Verleumdungen
nach 1989 erworben.
Als Mitherausgeber und -Autor des 2002
erschienenen doppelbändigen Sachbuchs
„Die Sicherheit – Zur Abwehrarbeit des Ministerium
für Staatssicherheit“ hat
er gemeinsam mit seinen Mitstreitern – wie selbst
seriöse westliche
Geheimdienstexperten einschätzten – ein bleibendes
Kompendium geschaffen, an
dem kein Historiker vorbeikommen kann, der es mit
der Geschichtsbetrachtung
ernst nimmt.
Gemeinsam mit dem unvergessenen Genossen Gerhard
Neiber gab er im April 2006
für „Die Rote Fahne“ ein viel beachtetes Interview
unter dem Titel “Die
Wahrheit über das Ministerium für
Staatssicherheit“.
Nicht nur darin äußerte sich Willis Haltung und
die seiner Kampfgefährten
zur Legitimität und Wertschätzung der Tätigkeit
der Inoffiziellen
Mitarbeiter des Ministerium und aller, die sich
für die Sicherheit der
Deutschen Demokratischen Republik eingesetzt
haben.
Die verantwortungsbewußte
und feinfühlige Zusammenarbeit mit den Inoffiziellen
Mitarbeitern, mit den Kundschaftern und Patrioten
an der unsichtbaren Front
waren für Genossen Willi Opitz immer wahre
Herzenssache.
Beispielgebend hat er mit seinen Arbeiten
konsequent auf dem Boden des
Marxismus-Leninismus gestanden und dessen Theorie
in die Praxis seiner
politischen Arbeit getragen.
Dabei erinnere ich mich auch an seine Vorträge,
die er als damaliges
Mitglied des ZK der KPD hielt.
So sprach er unter anderem im April 2006 aus Anlaß des 60. Jahrestages der
Vereinigung von KPD und SPD zur SED in Erfurt.
Dort erinnerte er an den Weg der deutschen
Arbeiterklasse zur Schaffung
einer vereinigten marxistisch-leninistischen
Partei, der SED.
Mit eindringlichen Worten bekannte sich Willi
Opitz zur Aktionseinheit der
Arbeiterklasse und wandte sich entschieden gegen
jedweden, von manchen
politischen Funktionären praktizierten,
prinzipienlosen Einheitsaktionismus.
Wir versichern dass wir unserem Genossen und Freund, unserem
Genossen Willi Opitz,
ein dauerndes, ehrendes Gedenken
bewahren werden.
Das erfüllte Leben des Kommunisten Willi Opitz hat
sich vollendet.
Aber in den Herzen seiner Familienangehörigen, in
den Erinnerungen und
Gedanken seiner Genossen und Kampfgefährten, lebt
Willi Opitz weiter.
Zu wissen, Dich, lieber treuer Freund, nicht mehr
treffen und sprechen zu
können, Dir vor allem nicht mehr zuhören zu
können, schmerzt mich persönlich sehr.
Aber es ist für uns alle gut zu wissen:
Das patriotische und internationalistische Denken
und Handeln von
Genossen Generalmajor Prof. Dr. sc. Willi Opitz, seine unbeugsame Überzeugung
an eine gesicherte, dem Frieden und dem
Humanismus verpflichtete Gesellschaft
wird weiterleben.
Im aufrechten Gang durch die von Anfeindungen
geprägte Zeit werden wir sein
Vermächtnis erfüllen.
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Dem Genossen
Prof. Willi Opitz
- General für des Volkes Wohl -
*25.07.1928 - †20.03.2011
Herzhaft Dein Lächeln, Schalk im Blick
Mit jugendlichem Glanz
Und sorgsam, wach, fürs Menschenglück,
So legtest Du den Weg zurück,
Tschekist, stets voll und ganz.
Exakt, beim Hinterfragen hart,
Den Dingen auf den Grund,
Gingst Du voraus, hast sinnbewahrt
Gelehrt, wer uns im Leben narrt
Versteckt mit Lügenmund.
Beharrlich offen, klassentreu,
Die Fehler im Visier,
Warst Du vorm Feinde ohne Scheu
Und täglich überzeugend neu.
Das ist und bleibt von dir.
E.Rasmus
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