Rezension des  "Neuen Deutschland"  vom 13.08.2009

 

 

Als  Resident der  HV A in New York

Hinter den Kulissen

von Christian Beyer

 

Fast drei Jahrzehnte arbeitete Horst Joachimi, Jahrgang 1929, in der Hauptverwaltung Aufklärung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR. Von 1977 bis 1981 leitete er mit dem legalen Status eines 1. Sekretärs der DDR-Vertretung bei den Vereinten Nationen in New York die Residentur der HV A in den USA. Offiziell war er also Diplomat. Horst Joachimi war ein Späher in der Park Avenue. Seine hochinteressanten Aufzeichnungen - das Bekenntnis eines der Sache treu gebliebenen, dank großer Erfahrung vor einer verklärten Sicht auf eigene Fehler gefeiten Menschen - öffnet den Blick auf das gesellschaftliche Panorama der Weltmacht USA in den 1970780er Jahren. Es kam darauf an, in den USA hinter den Kulissen der politischen Bühne die wahren Absichten des Establishments aufzuspüren. Dieser Schritt war für die Sicherung der äußeren Existenzbedingungen der DDR unverzichtbar.

Der Autor beschreibt diese unkonventionelle Art der Außenpolitik in gelungener, informativer und spannender Weise und beleuchtet das imperiale Gehabe der Supermacht, wobei zugleich immer wieder auch seine Liebe für Land und Leute zu erkennen ist. Das macht seine Darlegungen glaubwürdig, ebenso wie seine Botschaft, dass keine staatliche Ordnung ewig währt. An prädestinierter Stelle ist formuliert: »Das Ende der Geschichte ist keineswegs erreicht. Die heute existierenden Staaten und ihre Ordnung werden keineswegs dieses Jahrhundert überdauern. Was danach kommt ist offen, wie die Geschichte. Aber das etwas Anderes, Neues kommen wird, ist sicher wie das Amen in der Kirche.«

Dieses handliche Büchlein vermittelt in Kurzform detaillierte Informationen über den Kampf an der unsichtbaren Front, wobei der Autor jede schematische Enge vermeidet. Im Mittelpunkt seines knappen Reports, der viele Lügen über das MfS widerlegt, steht die konsequente Friedenspolitik der DDR und deren der BRD eindeutig überlegene soziale Qualität. Sehr interessant sind auch die Anekdoten vom persönlichen Zusammentreffen des Autors mit prominenten Persönlichkeiten, wie zum Beispiel die Begegnung mit Pfarrer Rainer Eppelmann, mit dem sozialdemokratischen Realpolitiker Günther Gaus oder mit dem unvergesslichen Schauspieler Eberhard Esche. Horst Joachimi hat in den Jahren seiner Tätigkeit in der HV A und insbesondere während seines Einsatzes in den USA (gemeinsam mit seiner Ehefrau) viele persönliche und familiäre Belastungen bewältigen müssen. Sein freimütiges und unangepasstes Buch kann man allen geschichtsinteressierten Lesern beliebigen Alters empfehlen, unabhängig davon, ob man mit jeder einzelnen Sentenz oder Wertung übereinstimmt.

Horst Joachimi: Resident der HV A in New York. Verlag am Park in der Edition Ost, Berlin 2009. 168 S., br., 14,90 €.