Neues Deutschland vom 24. November 2007, Seite 5 (Inland)
H VA-Tagung: Forscher droht Konsequenzen
Von Tom Strohschneider
Die Birthler-Behörde BStU geht gegen ihren wissenschaftlichen Mitarbeiter Helmut Müller-Enbergs vor, weil der vor einer Woche an einer Konferenz zur Auslandsaufklärung der DDR-Staatssicherheit im dänischen Odense teilgenommen hatte. Dem Experten für die MfS-Hauptverwaltung Aufklärung sei die Teilnahme ausdrücklich untersagt worden, so der Sprecher der Behörde, Andreas Schulze. Dennoch habe sich Müller-Enbergs (Foto: Archiv) an der vom Historiker Thomas Wegener Friis organisierten Runde von Experten und Zeitzeugen beteiligt.
Der Politologe, der seit 1992 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Bildung und Forschung der BStU ist, hatte aus Gesundheitsgründen an der Konferenz gar nicht teilnehmen können, aber unter anderem eine Erklärung verlesen lassen, die ausdrücklich auf sein Interesse als Privatmann hinwies. »Ich spreche im eigenen und privaten Auftrag, nicht im Namen und mit Genehmigung eines anderen oder für meinen Dienstherrn. Ich nutze dafür meine Freizeit«, hieß es darin. »Bei sorgfältiger Abwägung zwischen dem Anliegen, über die Einflussversuche und Wirkungsweise des Ministeriums für Staatssicherheit aufzuklären, wie es sich die Bürgerbewegten und die Gründer des Stasi-Unterlagen-Gesetzes wünschten, und den damit verbundenen möglichen Konsequenzen, die das für mich haben kann, entschied ich mich für das Recht als Wissenschaftler, dem wissenschaftlichen Erkenntnisinteresse zu folgen.«
Nach Auffassung der Birthler-Behörde sei Müller-Enbergs bekannt gewesen, dass sich sein Arbeitgeber von der Veranstaltung distanziert habe. BStU-Sprecher Schulze wies darauf hin, dass der Wissenschaftler auch in der Rolle eines Privatmannes als Vertreter der Behörde wahrgenommen werde. Deshalb werde es nun Konsequenzen geben, so Schulze, »welche, wird noch geprüft«.