jungeWelt

15.02.2007 / Sport / Seite 16

Feindbild ahoi

Neues aus der Eiskunstlaufbranche

Klaus Huhn

Hubertus Knabe, der in Berlin-Hohenschönhausen eine »Gedenkstätte« verwaltet und gern als eine Art Stasi-Reichsverweser agiert, hat Post vom CDU/CSU-Parlamentsgeschäftsführer Norbert Röttgen bekommen. Der bekannte, er hege »erhebliche Zweifel, ob es gelingen wird, in der Öffentlichkeit klar zwischen Tätern und Opfern des DDR-Systems zu unterscheiden«. Außerdem sieht er »eine Schutzpflicht des Parlaments gegenüber seinen (früheren) Mitgliedern«. Fazit: Die von Knabe empfohlene Nach-Überprüfung der Bundestagsabgeordneten wird nicht stattfinden. Aber was in der Nobeletage des Landes nicht zugelassen wird, soll nun flugs in den unteren Stockwerken nachgeholt werden, damit das Feindbild nicht verblaßt.

Als erstes behalf man sich mal wieder mit einer Akte aus der Eiskunstlaufbranche. Diesmal ging es um Johannes Wehr, einem der Vizepräsidenten der Deutschen Eislauf-Union (DEU). Dessen Verpflichtungserklärung lag in Windeseile beim MDR-Magazin »Sachsenspiegel« vor, die Akten sollen in den nächsten Tagen nachgeliefert werden. Die Tatsache, daß Wehr sich in jüngster Vergangenheit für die konsequente Trennung des Eislaufverbandes von dem »stasibelasteten« Trainer Ingo Steuer ausgesprochen hatte, wollte bis Redaktionsschluß niemand vom Verband kommentieren. Wehrs Rücktritt soll auch deshalb nicht angenommen worden sein, weil man ihn erst letzten Sommer unter dem Aspekt hatte wählen lassen, daß wenigstens ein Eislaufkundiger in dem neuen Vorstand vertreten sein müsse. Den brauchte man so dringend, weil mit Dieter Hillebrand (Präsident) und Uwe Harnos (Vizepräsident) zwei Eislaien die anderen Schlüsselpositionen besetzt haben.

Wehr wird auf der DEU-Internetseite, auf der das »neue Präsidium« auch am Tag nach den Enthüllungen noch immer vorgestellt wurde, ausdrücklich als für »Finanzen und Veranstaltungen« zuständig ausgewiesen. Eine wichtige Veranstaltung steht vor der Tür: Am 26. Februar soll in Oberstdorf die Junioren-Weltmeisterschaft im Kunstlauf eröffnet werden. Ohne Wehr - so Insider - könnte das zum Desaster werden. Andererseits: Wenn Wehr weiter amtiert, würde der Fall Steuer in ein völlig neues Licht geraten. Der einzige Ausweg wäre, daß in der DEU jemand auf die Idee kommt, den als Rechtsanwalt zugelassenen CDU-Abgeordneten Röttgen zu bitten, den Fall zu übernehmen und zu einem ähnlichen Ende zu führen, wie die von Knabe geforderte Überprüfung der Bundestagsabgeordneten.