Junge
Welt
11.05.2006 / Ansichten / Seite 6
Stasi-Kabarett des Tages: Menschen bei Maischberger
Lahm, Luft raus, alles gesagt zur »Stasi«? Nicht, wo Vera Lengsfeld und Hildigund Neubert auftauchen. »Die Schatten der Stasi: Hexenjagd oder späte Gerechtigkeit?« bei Maischberger. Hexen? So persönlich war's nicht gemeint. Thüringer Bratwurst-Talk statt Furiensenf. Aber schöne Konjunktive. Vera Lengsfeld: »In einem demokratisch kontrollierten Geheimdienst hätte es das nicht gegeben.« Keiner lacht. Denn: Die »Stasi« war eine »kriminelle Vereinigung«. Einwand von Peter-Michael Diestel: So etwas muß gerichtlich festgestellt werden. Warum werden die neu-alldeutschen Gerichte nicht fündig? Die Antwort weiß der Lengsfeldsche Konjunktiv: Wäre einem demokratisch kontrollierten Geheimdienst nicht passiert. Diestel begütigend: »Sie müssen nicht jeden Satz von mir kommentieren.« Fiel schwer. Wolfgang Leonhard blieb der Ausbruch: »Ich sitze hier wegen einem Eiskunstläufer!« Denn Ingo Steuer sollte der IM des Abends sein. Reichte Leonhard als Verbrecher aber nicht.
Am Mittwoch recycelte Henryk M. Broder bei Spiegel online das Ganze. Wenn Diestel sagt: »Verbrecher ist nur, wer rechtskräftig und rechtsgültig verurteilt wurde.«, schreibt Broder: »Mit derselben Logik könnte man auch Hitler vor dem Vorwurf, Verbrechen begangen zu haben, in Schutz nehmen, denn er ist weder rechtskräftig noch rechtsgültig verurteilt, noch nicht einmal angeklagt worden.« Trifft auf Broder nach derzeitigem Kenntnisstand und seiner »Logik« auch zu. »Stasi« - Hitler - Broder - logisch ist das nicht, aber immerhin ein Zusammenhang.
Einen klärenden Zusammenhang
nannte Gesine Lötzsch im ersten »Stasi«-Schwatz
des Dienstag abends beim rbb: Demnächst
veröffentlicht die von der Schröder-Regierung eingesetzte
Kommission zur DDR-Gedenkerei in Bundesgermanien
ihre Empfehlungen. Es hat den Anschein, so der Spiegel vor einigen Wochen, als
ob sich in der Birthler-Behörde und anderen einschlägigen
Einrichtungen etwas ändern könnte,
von Auflösung ist die Rede. Da braucht es ein »Stasi«-Bohei mit Lengsfeld,
Neubert, Broder etc., damit das Geschäft nicht endet. 100
Millionen Euro jährlich allein für
Birthlers Truppe - die kann man nicht einfach sausen lassen, (asc)