junge Welt
24.05.2007 / Ansichten / Seite 8
Polizeiaroma des Tages: Körpergeruch
Ausdünstungen höherer Säuger machen Karriere. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim kündigte am Mittwoch für den 4. Juli eine Verhandlung über die Frage an, ob ein Schwein auf einem Wohngrundstück gehalten werden darf oder nicht. Streitgegenstand ist ein Exemplar der Rasse »Göttinger Miniaturschwein« in Neckargemünd, Ortsteil Waldhilsbach, das den Nachbarn stinkt. Ein Besuch vor Ort findet statt, bei dem die Richter eine Geruchsprobe nehmen wollen. Der Verhandlungstermin sei mit Absicht auf den Sommer gelegt worden, um überprüfen zu können, welche Gerüche von dem Schwein bei warmer Witterung ausgehen.
Terrorfahnder haben keine Wahl. Sie können nicht warten, bis der Extremist stinkt. Außerdem riecht er von Natur aus. In Hamburg mußte der »Altautonome« Fritz S., so war am Sonntag im Spiegel zu lesen, bei der jüngsten Massenrazzia der Bundesanwaltschaft, minutenlang vierkantige Metallröhrchen in der Hand halten, die seinen Geruch konservieren sollten. Aufbewahrt werden die Teile im Aus- und Fortbildungsinstitut der Polizei im westfälischen Schloß Holte-Stukenbrock sowie »in einer Polizeieinrichtung in Stuttgart-Mühlhausen«. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ingo Wolf (FDP) stellte gerade zwei Schweißhunde - genannt Dr. Watson und Dr. Quincy - vor, die jedem Übeltäter olfaktorisch auf die Schliche kommen sollen.
Am Dienstag meldeten die ersten Nachrichtenagenturen das Nasenereignis, am Mittwoch trieb es Berliner Politiker unter »Stasi, Stasi «-Schreien an die Luft, und am selben Tag strömte es schwerölmäßig von den Zeitungsseiten: Wie die »berüchtigte Stasi« (Frankfurter Rundschau) sei das, Wolfgang »Wolli« Thierse, der fransige SPD-Odeurträger vom Berliner Kollwitzplatz, witterte ein ganzes Mielke-Bukett, der Grüne Hans-Christian Ströbele steuerte bei, daß der Verfassungsschutz schon vor Jahrzehnten Errochenes eingeweckt hat, die Polizeigewerkschaft schlußfolgerte messerscharf, das Abriechen sei durch die Strafprozeßordnung gedeckt, ergo keine Stasi-Methode - eben der Polit-Flatus, den die fünf Buchstaben »Stasi« in deutschen Redaktionen und Politikerbüros permanent auslösen. Die Bundesrepublik ist eine Schnüffelkonserve, (asc)