Veröffentlicht in den "Weißenseer Blättern" Nr. 3/2001 und leicht gekürzt in "Neues Deutschland" vom 04.10.2001

Berlin, den 22.09.2001

 

Denkbedarf zum Thema Terrorismus

 

Die menschenverachtenden Terroranschläge in den USA haben das Gewissen der Welt wachgerüttelt. Die weltweite Bekämpfung des Terrorismus als eine Geißel der Menschheit ist als Aufgabe der UNO, aller Staaten und Religionen auf die Tagesordnung gesetzt. Dabei besteht ein breiter Konsens darin, dass dieser Kampf die Wurzeln des Terrorismus treffen muss, was nicht mehr oder weniger bedeutet als nachhaltige Schritte auf dem Weg zu einer humanistischeren und sozial gerechteren Weltordnung.

 

Hierbei ist Nachdenken angesagt, auch in Deutschland !

 

Ein wesentlicher Aspekt scheint mir z.B., dass die Einteilung in gute (einzelnen Staaten nützliche und von diesen geförderte) und in böse (solchen Staaten feindlich gegenüberstehende und deshalb zu bekämpfende) Terroristen beendet werden muss. Terror bedarf der Ächtung, gleich von welcher Seite er ausgeht und mit welchem Ziel er ausgeführt wird.

In den 50er Jahren agierte in Westberlin die klassische Terrororganisation "Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit". Angeleitet und finanziert durch den amerikanischen Geheimdienst plante und organisierte sie u.a. Sprengstoff- und Brandanschläge auf Verkehrsanlagen und bereitete auch die Vergiftung von Trinkwasser vor.

Mitglieder dieser Agentenorganisation konnten sich im WDR am 12.03.1996 ohne Reue solcher Taten brüsten, sie sind rehabilitiert, für ihre Haft in der DDR entschädigt und genießen unangefochten den Status von "Opfern".

1962 stellte der Terrorist Kühn Sprengstoffpakete vor vier öffentlichen Gebäuden der Hauptstadt der DDR ab, die nur durch glückliche Zufälle nicht explodierten. Beim Abstellen eines dieser mit Zeitzünder versehenen Sprengstoffpakete wurde er auf frischer Tat gestellt. Auch diese zarte Terroristenseele, die skrupellos mit dem Leben unbeteiligter Menschen spielte, erhielt eine späte Genugtuung. Sein MfS-Vernehmer wurde von der bundesdeutschen Justiz wegen Aussageerpressung verurteilt.

 

Auch von Bundespräsident Rau ist zu hören, dass Rache und Hass schlechte Ratgeber der Politik sind. Solchen Sonntagsreden steht entgegen, dass

 

 

Die Mitarbeiter des MfS haben verantwortungsbewusst und erfolgreich die Bevölkerung der DDR vor Terroranschlägen geschützt. Sicherheitsstandards, die heute diskutiert werden, waren in der DDR bereits verwirklicht. Das betrifft nicht nur funktionierende Sicherheits-Checks an den Flughäfen. Die Pilotenkabinen blieben während der Flüge stets verschlossen und an Bord befanden sich - für potentielle Täter nicht erkennbar - bewaffnete Flugbegleiter des MfS. Das MfS stützte sich bei der Aufklärung von Terrororganisationen nicht nur auf Zeitungsausschnitte oder abgehörte Telefongespräche. Anstatt aber die Erfahrungen der Terrorabwehr MfS sachlich auszuwerten und darauf aufzubauen, ist bei der Verteufelung des MfS jede Lüge und Entstellung erlaubt. Gegen das MfS hat heute jeder Recht.

 

Wolfgang Schmidt