Aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet:

 

Eine unglaubliche Nachricht geriet dieser Tage in Umlauf: Dr. Hubertus Knabe, Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen habe - so versicherten gewöhnlich gut informierte Kreise - dem Senat vorgeschlagen nach der jetzt vollendeten Fertigstellung der Treppe zum Teufelsberg im Grunewald, Informationstafeln rund um die US-amerikanische Geheimdienstzentrale aufstellen zu lassen, um Touristen künftig besser darüber informieren zu können, welche Rolle Westberlin im allgemeinen und jener Trümmerberg im besonderen im Kalten Krieg spielte. Dies, so soll Knabe dem Verlauten nach seinen überraschenden Vorschlag begründet haben, könnte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe, er pflege nur einen Gedenkstättenkult gegen die DDR, entkräften.

Eingeweihte wollen sogar schon einige vorgesehene Texte gelesen haben:

Tafel 1:

Dieses Gebiet war seit 1951 ein Sperrgebiet, das von niemandem außer britischen, US-amerikanischen Geheimdienstlern und Militärpolizisten betreten werden durfte. US-amerikanische Geheimdienste hatten auf diesem 115 Meter hohen Hügel zunächst eine mobile Abhöranlage, die 1964 durch eine fest installierte Einrichtung ersetzt und bis 1990 betrieben wurde. Mit Hilfe hochmoderner Geräte konnten neben den amerikanischen auch britische und französische Spionagedienste alle Telefongespräche in der DDR, in Polen, der CSR und der Sowjetunion abhören und stören. Der Teufelsberg gilt als als eines der wichtigsten Bauwerke des Kalten Krieges, in dem der Imperialismus gegen den Kommunismus kämpfte.

Tafel 2:

Rund fünf Kilometer Luftlinie von hier liegt die Truman Plaza, auf der bis 1990 alljährlich das Deutsch-Amerikanische Volksfest stattfand. Zu den Schaugeschäften gehörte auch ein Riesenrad und nach jahrelangem Rätseln stellte sich heraus, dass die Funkspionage noch wirksamer war, wenn dieses Riesenrad dort stand. Daraufhin wurde das Karussel auf höchsten amerikanischen Befehl nach Ende des Volksfestes stehen gelassen und dem Betreiber eine entsprechende Summe bezahlt. Die wurde bei den Kosten verbucht, die für den Kalten Krieg in Berlin vorgesehen waren. Die Kooperation zwischen der Spionageanlage und dem Riesenrad gehört zu den Höhepunkten des heimlichen Feldzugs gegen die DDR.

 

Tafel 3

In der Spionageanlage auf dem Teufelsberg waren in der Regel 230 Personen im Schichtdienst tätig. Zweimal erhielten sie die „Travis Trophy“, die höchste US-amerikanische Auszeichnung die im Jahr für die wertvollste USA-Spionageleistung vergeben wird. Die Teufelsberg-Anlage diente vor allem der Spionage gegen die DDR und sollte das Risiko für die sonst eingesetzten Agenten mindern, die vom Ministerium für Staatssicherheit in der DDR aufgespürt und inhaftiert worden waren.

 

Inzwischen sind im Umfeld des Dr. Hubertus Knabe Dementis verbreitet worden. Er träfe zwar zu, dass er Schautafeln rund um die Gedenkstätte Hohenschönhausen empfohlen und vorangetrieben habe, aber er wäre nie auf die Idee gekommen, ähnliche Tafeln am Teufelsberg aufstellen zu lassen. Knabe Nahestehende ergänzten: Auf dem Teufelsberg wurde für die reine Freiheit und gegen die kommunistische Diktatur spioniert und deshalb sollte man ihn zum unantastbaren Denkmal erklären und vor allem die nach dem Scheitern der Bebauungspläne zunehmende Verwüstung der Anlage stoppen. Es wurde zu bedenken gegeben, ob nicht Mittel, die für Hohenschönhausen bereitgestellt wurden dafür abgezweigt werden könnten. Eine offizielle Antwort aus Hohenschönhausen lag bisher nicht vor.

 

Ein Blitzmerker

04.08.06